Nach erfolgreicher Saison, in der Paul doppelt – in der U11 (als Zweierteam
gemeinsam mit seinem Bruder Fritz) und auch mit der Mannschaft der U19 –
aufsteigen konnte, fuhr er sehr aufgeregt zu seinem ersten großen Turnier nach
Borchen. Da dieses früh beginnen sollte, reisten wir schon einen Tag vorher an. So
konnte ihm sein Bruder Fritz noch wichtige Tipps geben und beide länger schlafen.
Die Konkurrenz war für Paul beeindruckend – viele ernst zu nehmende Spieler, die
erfahrener und weit über seinem eigenen TTR-Punkteniveau gelistet waren, sorgten
für einigermaßen Anspannung. In der Halle konnte er sich dann aber gleich mit
einem Freund aus dem Stützpunkttraining einspielen und schien sich auf die
kommenden Spiele zu freuen! Der Einspielpartner war dann durch Zufall auch der
erste Gegner, Paul gewann mit 3:0 Sätzen; danach folgte ein schwieriges Spiel gegen
den späteren 5. Platz, wo Paul wirklich kämpfen musste und die ersten beiden Sätze
unglücklich mit 13:15 und 11:13 verlor. Neben dem Verlust der Sätze ärgerte ihn vor
allem die lautstarke Selbstbestätigung seines Gegenspielers, auch bei Kantenbällen
und Netzrollern, was dazu führte, dass er sich vor dem 3. Satz sammelte und
beschloss, einfach wegzuhören. Hoch konzentriert und sehr motiviert konnte er so
mit 11:04, 11:02 und 11:05. zufrieden in die folgenden Spiele starten. Er nahm die
Konzentration mit und spielte nun mit sehr viel weniger Fehlern, was durch weitere
klare Siege mit 3:0 Sätzen belohnt wurde. Schwierig wurde es dann, als Paul auf einen
Linkshänder traf, dem er zwar den ersten Satz mit 11:04 abnehmen konnte, der
jedoch im zweiten Satz sein Spiel umstellte: Er begann mit sehr viel Schnitt
Tomahawk-Aufschläge auf Pauls Vorhand zu servieren und verwandelte fast alle
Rückschläge durch harte Konter, Schüsse und sichere Top-Spins zu Punkten. So
entschied er Satz zwei mit 11:05 und Satz drei, nachdem Paul sich besser auf das Spiel
eingestellt hatte, knapp mit 12:10 für sich. Hierauf entschied sich Paul, sein eigenes
Angriffsspiel zu verändern und spiegelte quasi die Taktik des Gegners: Er servierte
nun selbst Tomahawk-Aufschläge in verschiedenen Variationen meistens mit viel
Seitschnitt und griff danach sofort mit der Vorhand die Rückhandseite des Gegners an
und bewegte sich flüssiger und schneller, um besser zum Ball zu stehen. Bei den
Rückschlägen platzierte er mutiger und aggressiver, wodurch das Angriffsspiel des
Gegenübers empfindlich gestört wurde. Die letzten beiden Sätze gingen dadurch mit
11:04 und 11:05 an Paul.
Um in der Gruppe den ersten Platz zu machen, musste Paul
sich auch gegen einen sehr starken Gegner aus Dortmund behaupten, der über 300
TTR-Punkte mehr hatte und vom Trainer der Bundesliga-Mannschaft betreut wurde.
Mit einem 3:01-Sieg (11:08, 09:11, 12:10, 11:08) zeigte Paul jedoch auch hier, dass er
zwar mit großem Respekt aber auch mit großem Selbstvertrauen in das Spiel
gegangen war.
Als Gruppensieger musste er nun nur noch die Plätze 1 – 4 ausspielen, die
Anspannung fiel ab und eigentlich war alles erreicht, denn unter die ersten vier zu
kommen, hätte Paul sich nach eigener Aussage nicht träumen lassen, er war ja auf
Platz 11 gesetzt in das Turnier gestartet.
Dies war vielleicht auch ein Grund für die Niederlage gegen den nun
gegenüberstehenden Gruppenersten: Paul verlor ungewohnt leichtfertig sein erstes
Spiel an diesem Tag gegen einen sehr sicher und souverän spielenden Bonner vom
SSF (1:03). Danach war er etwas geschockt und traurig, da der Turniersieg ja auch in
Reichweite gestanden hatte. Dennoch entschloss er sich im letzten Spiel noch einmal
alles zu geben und gewann gegen den Gruppenzweiten wieder klar mit 3:0.
Zuletzt entschieden nicht die Sätze, sondern sogar die Punkte zwischen dem ersten
und dem zweiten Platz. Kein Spieler war ungeschlagen geblieben und Paul gewann
das Turnier letztendlich dadurch, dass er über den ganzen Tag so ruhig, fair und
konzentriert geblieben war. Bei Rückständen und langen Ballwechseln behielt er die
Nerven, zeigte Ausdauer und Konstanz.
Das Turnier hat ihm sehr viel Spaß gemacht und am Ende war er sehr glücklich und
erschöpft. Viele Eltern, Trainer und Spieler haben gratuliert und gelobt, die Stimmung
war sehr freundlich und voll Anerkennung für die Leistung, die die Kinder über
Stunden zeigten!
Paul sagt, dass er eigentlich mit dem Zweit- und dem Drittplatzierten gemeinsam den
ersten Platz haben bzw. teilen müsste – er habe ja überhaupt nicht mehr damit
gerechnet.
Ein Trainer zwinkerte ihm in einer Pause zu und meinte: „Du hast einen guten Kopf!“
Das trifft es, denke ich.
Christof
